Nach dem Referendariat sitzt du nachts um halb eins noch vor der Unterrichtsplanung für den Deutschunterricht in der 1b morgen.
Du hast gedacht, Unterrichtsvorbereitung lernst du im Studium. Aber du hast nicht damit gerechnet, dass du dann vor dem PC sitzen wirst und dich wie eine blutige Anfängerin fühlst, obwohl du schon haufenweise guten Unterricht vorbereitet und durchgeführt hast.
Warum ist das so?
In diesem Beitrag erfährst du zwei Gründe, warum Planung sich nach dem Abschluss verändert und zeige dir, wie du in zwei einfachen Schritten eine nachhaltige und gesunde Planungsroutine entwickelst.
Effiziente Unterrichtsplanung nach dem Referendariat: Schritt für Schritt
Grund Eins: Planen für drei
In den Praktika hast du Unterricht immer auch für die Beobachter vorbereitet.
Die Planungsraster mussten so ausführlich sein, dass sie auch eine dritte Person versteht und deine pädagogischen Gedanken nachvollziehen kann. Das Ganze war Prüfungsrelevant oder musste in Reflexionen verwendet werden.
Jetzt planst du nur noch für dich und deine Lerngruppe.
Wenn du deine Hintergrundgedanken nicht aufschreibst, fühlt es sich so an, als fehle deiner Planung Hand und Fuß. Als würdest du die Qualität abgeben, wenn sie nicht mehr auf dem Blatt steht.
Aber Qualität braucht das Papier nicht.
Es ist pädagogisch genau gleich wertvoll, ob du den Hintergrund einfach im Kopf hast, oder ob du es ausführlich aufschreibst.
Grund Zwei: Der Praxischeck
In der Praxis hast du oft ein größeres Pensum und trägst die ganze Verantwortung. Administrative Aufgaben kommen hinzu, Elternarbeit, Sitzungen, Gespräche und Weiterbildungen machen deinen Alltag schnell übervoll. Man glaubt gar nicht, wie viel weniger Zeit man für Vor- und Nachbereitung in der Praxis plötzlich hat.
Da muss man Unterrichtsplanung plötzlich gezwungenermaßen anders angehen, solange der Tag nicht 27 Stunden hat.
In diesen beiden Schritten habe ich meine Planung neu gelernt:
Schritt 1: Effizienz ist ein Qualitätsmerkmal
Qualität hat im Studium immer mit pädagogischer Tiefe und fachlicher Korrektheit zu tun. Effizienz ist selten ein Thema. In meinem Alltag steht das jetzt aber häufig an erster Stelle. Denn:
Du bist nur dann eine gute Lehrkraft, wenn du dauerhaft gesund den Lehrberuf ausüben kannst.
Und glaub mir: Wenn sich deine Ansprüche an Unterrichtsplanung weiterhin auf pädagogische Tiefe und Fachlichkeit beschränken, wirst du dir selbst nie wieder gerecht und rennst (wie ich) nach dem ersten Berufsjahr ins Burnout.
Nachhaltig und gesund zu arbeiten wird jetzt zur Qualität und gehört genauso zu deiner Professionalität dazu, wie all die wichtigen Aspekte, die du im Studium gelernt hast.
So geht’s:
Lerne Lektionen in Rekordzeit zu planen.
Das fühlt sich zunächst wie ein Verlust pädagogischer Tiefe an. Aber du lernst gerade etwas Neues. Darauf darfst du dich konzentrieren.
Plane für ein paar Wochen alle Lektionen in unter 10 Minuten (2-10 Minuten).
Überlege dir, welche Programme du nutzen kannst, die deine Vorbereitung komplett überflüssig machen.
Mein Lieblingsbeispiel ist das Lesetandem (ab Mitte der 2. Klasse empfohlen). Diese Lektion hältst du einmal in der Woche und bereitest dafür nichts mehr vor, da sie immer genau gleich abläuft. Die Kinder werden nach ein paar Wochen das Prinzip verstanden haben und es wird zum Selbstläufer.
Ich verwende dafür immer wieder gerne “Lesen. Das Training”1 (nur das Geläufigkeitsheft).
Deine Vorbereitung: In deinem Lehrerplaner schreibst du nur noch ein Wort in die Lektion der entsprechenden Woche.
Wenn in einer Woche diese Stunde oder dieser Tag ausfällt, dann legst du diese Lektion nach Möglichkeit auf einen anderen Tag, an dem du sonst mehr vorbereiten müsstest.
Mut zur Lücke!
Dieses Vorbereitungsmindset ist zuerst sehr gewöhnungsbedürftig. Gib dir etwas Zeit dich damit anzufreunden und pädagogische Tiefe (nur für den Moment) loszulassen. Früher oder später wirst du die akademische Perfektion ohnehin ablegen müssen. Sieh es also als die Phase an, in der du ein neues Qualitätsmerkmal (Effizienz) intensiv erlernst und einübst.
Schritt 2: Die Goldlektion als Qualitätsanker
Damit du dich beim Planen nicht permanent im “Notfall-Plan”-Modus fühlst, kommt jetzt das gute alte Planungsraster aus dem Studium wieder ins Spiel. Aber bitte mit einem anderen Mindset als vorher.
Du planst jetzt nicht mehr “extra gut” um jemandem etwas vorzeigen zu können. Auch nicht, um deine Planung transparent zu machen.
Jetzt planst du im Detail, um dein Unterricht gezielt und kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Das Konzept:
Du wählst eine Lektion pro Woche aus (maximal zwei), welche du im Detail planst. Mit Raster. Vielleicht auch mit deinen Fachbüchern an der Seite (ist aber kein muss: nach dem Studium bist du mit der Fachliteratur a jour).
Diese Fragen können dir bei der Auswahl helfen:
Ist es eine Lektion, die didaktisch eine wichtige Funktion einnimmt?
Hast du in dieser Lektion die Gelegenheit etwas zu üben, wo du bei dir selbst noch didaktische Schwächen siehst?
Das ist deine Gold-Lektion!
Meine Schwäche sind zum Beispiel der Abschluss von Themen inklusive Reflexion mit den Kindern. Jedes Thema geht bei mir gerne mal nahtlos ins nächste über (insbesondere in Mathe und Deutsch), weil eh alles zusammenhängt.
Da macht es wenig Sinn, jede Woche besonderen Wert auf die Einführungslektion zu legen. Die wird bei mir Erfahrungsgemäß auch ohne detaillierte Vorbereitung gut. Dasselbe gilt für offene Unterrichtsformen und Fördersequenzen mit Verständnisaufbau.
Ich muss eher überlegen, wo wir gerade ein Thema abschließen und wie ich eine Reflexion mit den Kindern gezielt gestalten kann. Dort plane ich meine Gold-Lektionen ein.
Ich nutze dafür mein eigenes, leicht vereinfachtes Vorbereitungsraster (das aus dem Studium war mir zu ausführlich).
Ich teile es gerne mit dir, falls du daran auch Interesse hast:
Fazit: Effizienz und Tiefe im Einklang
Wenn du dir deine Gold-Lektion (fast) jede Woche gezielt aussuchst und gewissenhaft planst, wird sich das auch auf alle deine 2-10 Minuten Lektionen auswirken und deine Unterrichtsqualität wird stetig steigen.
Und zwar nicht zufällig, sondern gezielt von dir gesteuert. Weil du bewusst wählst, wo in deinem Unterricht aktuell fachliche Qualität und pädagogische Tiefe wachsen soll.
Ich bin gespannt, welche Schätze du mit diesem Raster hebst. Vielleicht teilen wir diese Erfahrungen bald in einer gemeinsamen Sammlung – ganz von uns für uns.
Hinweis zur Produktnennung
- Die Verlinkung ist weder bezahlt noch mit dem Verlag abgesprochen. Es ist eine natürliche Empfehlung aus der Praxis für die Praxis. Dennoch natürlich Werbung wegen Markennennung. ↩︎









